"Glücklich der, der ein Symptom hat "Erich Fromm (1900-1980) Du kannst Deine Seele (Psyche) zwar nicht direkt sehen, hören oder anfassen. Dennoch spürst Du ganz genau, wenn mit ihr etwas nicht in Ordnung ist - sie nicht im Gleichgewicht ist. Diesen Zustand kann man auch als seelische Verletzung bezeichnen.
Genauso, wie wir von einer körperlichen Verletzung sprechen, wenn im Körper etwas nicht in Ordnung ist, zum Beispiel bei einem Armbruch.
Was geht im Zustand dieser seelischen Verletzung in Dir vor? Welche Symptome spürst Du? Welche Gefühle und Gedanken bestimmen Dein Empfinden und Dein Handeln?
Stress, Angst, Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, innere Unruhe, Sinnlosigkeit oder andere negative Gefühle sind seelische Anzeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Gleichzeitig hast Du oft auch körperliche Symptome wie Herzrasen, übermäßiges Schwitzen, einen schlechten Schlaf, Hautausschlag, Schwindel oder Schmerzen in verschiedenen Bereichen Deines Körpers (Kopf, Nacken, Rücken, Brust, Herz, Magen, Darm, Haut usw.).
Wenn ein organischer Befund vom Arzt ausgeschlossen worden ist, werden aus diesen Symptomen dann in der Regel Diagnosen wie zum Beispiel Depression, Burnout, Angststörung, Zwangsstörung, Somatoforme Störung, Persönlichkeitsstörung, AD(H)S, Essstörung abgeleitet. Du bist dann offiziell seelisch "krank" bzw. leidest unter einer psychischen Störung.
Die Behandlung besteht anschließend oft aus Medikamenten (Psychopharmaka) und Therapien, die diese Symptome möglichst schnell beseitigen sollen. Das kann in akuten Fällen vorübergehend hilfreich und richtig sein. Bei einer Chronifizierung, also langanhaltenden Beschwerden, gibt es bessere Wege.
Stell Dir vor, Du nimmst diese Symptome als das an was sie sind. Als freundliche Hinweise Deiner Seele, dass Du eine Verletzung erfahren hast. Dass etwas in der Vergangenheit nicht in Ordnung war bzw. aktuell nicht in Ordnung ist. Dass sich für Dich etwas in Deinem Inneren nicht stimmig anfühlt. Dann hast Du gute Chancen die Ursachen zu erkennen und bist auf dem Weg Richtung Gesundheit.
"Heilung ist immer Selbstheilung"
Gerald Hüther (*1951)
Dass der Mensch (körperliche und seelische) Selbstheilungskräfte hat, ist eine der zentralen Annahmen in der Gesprächspsychotherapie, die der amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers auf den Grundpfeilern des Humanismus entwickelt hat.
Er ging davon aus, dass jeder Mensch eine (Selbst-) Aktualisierungstendenz besitzt, bei der alle inneren Kräfte entfalten werden, um zu wachsen und ein eigenes Selbst zu entwickeln. Diesen, uns angeborenen Wunsch zu wachsen, kannst Du übrigens sehr gut bei kleinen Kindern beobachten, die ihre ersten Schritte gehen, ihre ersten Worte sprechen oder das erste Mal alleine auf die Toilette gehen. Dinge alleine zu können und zu tun ist eines der größten Bedürfnisse, die wir Menschen haben. Denn das macht uns in großen Teilen unabhängig, selbstbestimmt, selbstwirksam.
Diese Kräfte können jedoch nur dann wirksam werden, wenn wir uns in einem "wachstumsfreundlichen Klima" befinden oder einfacher ausgedrückt - in einem positiven, günstigen Raum. Und dieser Raum besteht bei seelischen Verletzungen aus "Begegnungen und Beziehungen" mit anderen Menschen.
Da uns seelische Verletzungen jedoch nicht immer bewusst sind - wohl aber das körperliche Symptom, in dem sie sich äußern - braucht es manchmal Hilfe (einen günstigen Raum) um sie zu erkennen und dann in sicherer Umgebung anzunehmen bzw. neu zu bewerten. Somit gibst Du ihnen keinen Grund mehr, einen Warnhinweis (Symptom) zu senden und Deine Beschwerden werden sich ziemlich wahrscheinlich verringern oder sogar ganz verschwinden.
Wenn Dir nichts mehr Magenschmerzen bereitet oder Du nichts mehr zu verdauen hast, wenn Dir nichts mehr im Nacken sitzt oder Du etwas nicht mehr ertragen musst, dann können auch Deine körperlichen Beschwerden und Schmerzen nachlassen oder sich sogar ganz zurückziehen.
Körperliche Beschwerden verschwinden oft, wenn die Seele gesundet.